„Wozu lesen?“ – zwei Buchspezialisten im Gedankenaustausch

Liebevoll und etwas boshaft sollte der Gedankenaustausch zwischen Margarete von Schwarzkopf und Buchhändler Mike Altwicker von der Buchhandlung „Hansen & Kröger“ bei der Kulturkreis Wiehl-Veranstaltung sein. Die Gäste im Burghaus erlebten ein intensives Gespräch über Bücher und konnten anschließend so manche Anregungen mitnehmen. Von Lesen in der Kindheit und während der Schulzeit, von Unterhaltungsliteratur bis zu Klassikern, von Krimis und Kinderbüchern erfuhr das Publikum manch Interessantes.


Margarete von Schwarzkopf – Fotos: Kulturkreis

Aber „Wozu lesen?“. Margarete von Schwarzkopf, Jahrgang 1948, deutsche Journalistin, Autorin, Redakteurin, Moderatorin und Mutter von sechs Kindern, ist sehr früh in die Welt der Bücher eingeführt worden. Mit „Die Schatzinsel“ fing sie an und Kasperlebücher liebte sie sehr – aber auch „Moby Dick“ in einer Kinderversion oder „Ivenhoe“ von Sir Walter Scott. Buchhändler Altwicker bevorzugte als Kind Hauff-Märchen und später Nachschlagewerke. Heute lesen immer weniger Kinder Bücher. Da nehmen auch Erstlesebücher mit den ganz großen Buchstaben den Zauber beim Lesen ein wenig. Margarete von Schwarzkopf hatte aber dazu ein paar Tipps parat. Michael Ende sei beispielsweise ein Autor, der Kinder wieder zum Lesen führen könne. Er hatte unendlichen Humor und wunderbare Geschichten erzählt. In der Unendlichen Geschichte plädierte er dafür, dass jeder Mensch sich die Phantasie erhält.

Man müsse den richtigen Ansporn kriegen und dies falle vom Elternhaus aus leichter als über die Schule. Viele Jugendliche sind auch über die „Harry Potter“ Bücher wieder zum Lesen gekommen und aktuell ist die „Biss“-Serie der amerikanischen Autorin Stephenie Meyer eine Reihe, die zum Lesen verführe. Gerade solche Bücher wären auch für den Schulunterricht hervorragend und man könne breitere Tore in die Welt der Literatur öffnen. Denn der aktuelle Lehrplan für das Zentral-Abi enthalte weniger ansprechende Literatur, wie zum Beispiel „Tauben im Gras“ von Wolfgang Koeppens – Eine Geschichte ohne Interpunktion – stellte Mike Altwicker fest. Beide – von Schwarzkopf und Altwicker – schwärmten vom Literatur-Repertoire ihrer Schulzeit. Da gehörte Feuchtwanger dazu. „Iphigenie“ im Vergleich mit „Woyzeck“. Auch Heinrich Heine, Eichendorff, Ringelnatz, Morgenstern und Tucholsky fehlen mittlerweile. Im Publikum fanden so einige in den Nennungen ihre Schulliteratur wieder und Erinnerungen kamen hoch.

Margarete von Schwarzkopf hat einen guten Literatur-Einblick in vielerlei Hinsicht. Beim Norddeutschen Rundfunk durch die Serie „Das Sonntagsgedicht“ – mittlerweile kurze Sinngedicht, bei dem 40 Sekunden ausreichen müssen. Da zitiert sie oft Ringelnatz, Tucholsky oder auch einen Heinz Erhard. Im NDR 1 Hörfunk betreut sie unter anderem eine eigene wöchentliche Büchersendung. Sie ist Mitglied verschiedener Literaturjurys und moderiert zahlreiche Literaturveranstaltungen. Als Krimiliebhaberin und -kennerin empfiehlt sie mit weiteren Kollegen ausgewählte Neuerscheinungen. Bei dem Arbeitspensum und sechs Kindern – wie schafft sie das? Als Schnellleserin und Zugfahrerin – sie lebt in Köln und arbeitet in Hannover – geht schon einiges. Es gebe unendlich viele Krimis, wo sie in der Inhaltsangabe schon sehe, ob das ein Thema für sie ist. Und zudem versucht sie nicht mehr als drei Krimis in der Woche zu lesen.

Mit Krimis von Martin Walker – ein Schotte, der den Südfranzösichen Landschaftsstrich Périgord für sich entdeckt hat und dort seinen „Bruno Chef de police“ spielen lässt – über Donna Leon und ihrem Commissario Guido Brunetti ging es zu Elisabeth George. Aber nicht nur Empfehlungen für Krimis hatten die beiden Buchspezialisten parat. Eine Auswahl der für sie zehn wichtigsten Werke, konnte Margarete von Schwarzkopf dann doch nicht nur auf die geringe Zahl beschränken. Von einer Anthologie der Dichter der Romantik, über Märchen der Gebrüder Grimm („wer die Märchen nicht kennt, weiß die Weisheit der Völker nicht“), Franz Gillparzers „Das goldene Vlies“, „Die drei Musketiere“ von Alexandre Dumas oder auch „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin reichte die Auswahl. Man solle aber auch ruhig den Mut haben, unterhaltsame Literatur zu lesen – nicht nur die Klassiker.

Zwei spannende Kinderbücher hat Margarete von Schwarzkopf selbst geschrieben. Ihre Bücher sind historische Krimis die in Köln spielen. Kinder, die zufällig in Köln leben – einer Stadt mit sehr viel Geschichte – geraten durch eine Zeitreise in die Zeit der Kaiserin Agrippina, die mit ihrem Sohn Nero in Köln zu Besuch war. Die zweite Geschichte spielt erst in London und um 1194 wo Richard Löwenherz in Köln war. Karneval kommt auch mit vor und auch das Lied „Die Karawane zieht weiter“. Es hat ihr unendlich viel Spaß gemacht zu schreiben und zu recherchieren. Wozu liest sie selbst: „Weil es die Tore zu Ländern aufstößt, in die man nicht gelangt. Es macht glücklich, regt an und natürlich aus beruflichen Gründen“. Aus ihrer großen Leidenschaft Bücher und Filme – die sie beide für Radio und TV bespricht – hat sie ihren Beruf gemacht. Zum Ende des informativen und interessanten Abends, der sicher noch Stunden so hätte weiter gehen können, zitierte Mike Altwicker dann ganz passend Brechts „Wir sehen hin betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen.“

Kulturkreis Wiehl

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