Staatsbürgerkunde im Meisenhorst

Mit den Grundlagen deutscher Politik hat sich Philip Simon auseinandergesetzt und ist derzeit mit unterhaltsamer Nachhilfe in Sachen Staatsbürgerkunde auf Tour. In seinem Programm „Meisenhorst“ widmet er sich dem Grundgesetz. Ebenso aufklärerisch wie humorvoll seziert der niederländisch-deutsche Kabarettist die Artikel der bundesdeutschen Verfassung.

Im Bielsteiner Meisenhorst am dritten „7-Nights-of-Fun“-Abend sah Simon viele Meisen. Die Kohlmeisen, die Angela Merkel „für eine Reinkarnation vom Helmut halten“, ein paar vereinzelte Trauermeisen, die letzten SPD-Wähler. Und auch Blaumeisen – das seien die, die die AfD wählen „und dabei nicht merken, wie sie sich selbst die Flügel stutzen“. Allerdings auch die Schmuckmeisen, deren politisches Engagement beschränke sich auf den Besuch von politischen Kabarett-Veranstaltungen und die A-Meisen hätten das Gefühl sie gehören nicht dazu. Von der Vorstellung seines „Meisenhorstes“ ging Simon über zur Feststellung, dass doch mehr Leute die zehn Gebote in der Bibel kennen würden, als mindestens zehn Artikel aus dem deutschen Grundgesetz. Es lägen ja auch in jedem Hotelzimmer Bibeln und keine Grundgesetze. Und die Geschichten in der Bibel seien auch tatsächlich spannend. „Moses hat die zehn Gebote ohne WLAN empfangen – es war sozusagen der erste Download“. Er teilte für die Flüchtlinge das Meer – heute wäre er ein krimineller Schlepper. In Deutschland führe man seit drei Jahren die Diskussion, was zu tun sei, wenn die Flüchtlinge kommen – „dabei sind sie schon längst da!“, so Simon.

Gemeinsam mit dem Publikum wollte Simon wieder näher ans Grundgesetz. Mit den Waffen der Sprache, punktgenau und mit jeder Menge Humor, sezierte Philip Simon die bewegendsten Artikel des Grundgesetzes. Er zitierte Kant, Nietzsche und Göbbels. So „Auch die hohlste Nuss muss mal geknackt sein“ und wundert sich woher Nietzsche damals Donald Trump gekannt habe. „Und was ist die Frage nach dem eigentlichen Sinn des Lebens? Das Vergessen?“. Zumindest baue Angela Merkel ihre Politik auf Vergessen und Schweigen auf – dies sei eher untypisch für eine Frau, fügt Simon trocken und mit leichtem Grinsen hinzu. Mit hoher Redegeschwindigkeit peitschte Philip Simon durch das Grundgesetz und sein Programm. Zwischendurch untermalte er dies mit einem „Alle Vögel sind schon da“ aus einem kleinen Leierkasten. Zum Schluss stellt Simon das Grundgesetz buchstäblich auf den Kopf – und da wird aus den Ziffern der ausgewählten Grundgesetz-Artikel, zu denen er referierte tatsächlich ein „Meisenhorst“. Und dem Bielsteiner Publikum empfiehlt er: „Besorgen sie sich ein Grundgesetz!“. Ein nachdenklich stimmender Abend mit dem deutsch-niederländischen Kabarettisten – sehr drastisch, sehr unterhaltsam und einfach grandios.

Vera Marzinski

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