Gute Musik und Atmosphäre „Made in Netherland“

Die vier Musiker der „Flexcats“ begeisterten im Burghaus Bielstein das Publikum und wurden am Ende mit stehenden Ovationen belohnt. Eine sympathische Truppe mit einer ansteckenden Leichtigkeit. Ihre Freude an der Musik und dem Zusammenspiel ließ den Funken ganz schnell auf das Publikum überspringen. Seit 2003 spielen die Niederländer Kok de Koning (Diatonik Akkordeon /Gesang), Remco Posthumus (Akustik Gitarre /Gesang) und Jan-Paul van der Hoeven (Kontrabass /Gesang) gemeinsam mit Sascha Pöpping (Cocktail Drum /Gesang), der elf Jahre in den Niederlanden lebte und den niederländischen Akzent perfekt beherrscht, als Quartett.


Flexcats – Foto: Christian Melzer

Ihr Repertoire umfasst instrumentale und gesungene, meist englischsprachige Nummern aus verschiedenen Musikgenres: Swingjazz, Tex-Mex, Retro Pop, Rock´n Roll, Country, Soul und Bolero. Bekannte Radiohits aus dem vorigen Jahrhundert wechseln sich ab mit verloren geglaubten Erinnerungen und überraschenden Perlen aus der musikalischen Schatzkiste. Tex-Mex ist ein Mischwort aus „Texas“ und „Mexiko“ und bezeichnet einen Musikstil. Er entstand aus der traditionellen mexikanischen Volksmusik unter dem Einfluss von Blues und Rock’n’Roll. Genau diesen Musikstil haben sich die „Flexcats“ zu Eigen gemacht. Damit wird ein „Highway To Hell“ von AC/DC oder „“Fresh“ von Kool & the Gang zu einem ganz neuen, genialen Hörerlebnis.

Vor zwei Jahren waren die Musiker selber in Texas und haben sich noch ein wenig mehr von der Musik dort inspirieren lassen. So auch bei dem Stück „Hey Sarita“, das schon fast wie eine Polka klang. Kok de Koning spielt auch hier wieder hervorragend das Diatonik-Akkordeon. Besonders virtuos ist sein spiel bei „Bad Moon“. Bei einem Stück wurden die Gäste im Burghaus an den Cover-Hit „We No Speak Americano“, den „Yolanda Be Cool“ letztes Jahr in die Charts brachte, erinnert. Bei den „Flexcats“ heißt er, wie auch im Original, „Tu Vuo Fa L’Americano“. In den 1950er Jahren hatte Renato Caronsone damit einen Hit. Vor fast fünf Jahren entdeckten die „Flexcats“ dieses Stück für ihr Repertoire.

Aber auch „Pump Up The Jam“ von Technotronic zählt zum Programm – natürlich in Flexcats-Spielart. Ein entspanntes Lied in Spanisch aus Kuba ist „Como Fue“ und um etwas Sonne ins kalte Oberbergische zu bringen sangen sie „Sunny Afternoon“. Angenehme, fesselnde Musikeinlagen und dazu die netten Ansagen zwischendurch. Wie „Wir gehen jetzt swingen, so der Hinweis von Remco auf das Stück „I Can’t Give You Anything But Love“. Gesanglich sticht Bassist Jan-Paul van der Hoeven hervor, der mit Kok de Koning die meisten Soloparts übernahm. Aber auch Remco Posthumus, dessen Gitarre nicht nur beeindruckend aussah – er spielte auch brillant darauf – sowie Sascha Pöpping, dessen selbst selbstgebautes Schlagzeug mit wenigen, unentbehrlichen Instrument-Bestandteilen beeindruckte, waren gesanglich ausgezeichnet. Ein Abend, bei dem die Gäste und auch die Musiker sich wohlfühlen konnten.

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Burghausprogramm 2011 startet mit gefühlvoller Musik und hervorragenden Musikern

Volles Haus zum Jahresanfang im Burghaus Bielstein bei „An evening with ballads and stories“. Die Band des Abends hat keinen Namen – zu diesem Konzert fanden sich fünf Musiker zusammen, die alle auf hohem Niveau agieren. Ein Abend mit fast 30 „Ballads and Stories“ passte perfekt in die winterliche Kaminabende-Zeit. Zu den ruhigen Stücken prasselte dann auch auf dem Bildschirm neben der Bühne der Kamin – das untermalte den stimmungsvollen Abend noch ein wenig.


Foto: Christian Melzer

Draußen prasselte draußen der Regen und mit einem kurzen „It’s raining again“ eröffnete Michael Bielecke den Abend. Gemeinsam präsentierten die fünf Musiker den Beatles-Klassiker „Nowhere Man“ bevor es anschließend zu wechselnden Zusammensetzungen oder Soloauftritten überging. Gleich zu Beginn eine sehr anrührende Ballade von Juliane Klein gesungen – „Igrendwas bleibt“ von Silbermond erzeugte sofort Gänsehautfeeling. Besonders brillant ihr „In The Arms Of An Angel“ von Sarah McLaughlin, aber auch „Fields Of Gold“ in der Version von Eva Cassidy, bei dem Michael Bielecke sie mit dem Akkordeon unterstützte.

Auch Bielecke trug einige Gesangsstücke bei – so „Leningrad“ von Billy Joel oder Procol Harums „A Salty Dog“. Ebenso begeisterte sein Don McLeans „Vincent“ die Gäste im Burghaus Bielstein. Zudem begleitete er die meisten Stücke auf dem Flügel oder mit Gesang im Hintergrund. Nur Gitarre und Gesang gab es bei „Time in a bottle“ mit Ernie Wirth, der weitere hervorragende Gesangsstücke in das Programm fügte und auch als Gitarrist und Backroundsänger im Einsatz war. „Kiss the past goodbye“ hatte er schon mit der Ernie Wirth Band im letzten Jahr präsentiert – aber auch dieses Stück passte perfekt in den Balladen-Abend. Udo Lindenbergs „Bis ans Ende der Welt“ hatte von Wirth gesungen plötzlich einen ganz anderen Stimmklang-Effekt.

Für den richtigen Rhythmus sorgte Peter Even mit gefühlvoller Percussion – immer sehr dezent und doch Akzente setzend. Bei Bruce Springsteens „Thunder Road“ brachte er sogar ein Glockenspiel zum Einsatz. Manuel Marcos ist nicht nur im Oberbergischen als ein brillanter Gitarrist bekannt. Er gilt seit vielen Jahren als einer der herausragenden Jazz-, Blues- und Fusion-Gitarristen in NRW. Immer wieder glänzte er an diesem Abend mit Soli-Einlagen, wie beim Beatles-Medley oder bei Fleedwood Macs „Need Your Love So Bad“. Ebenfalls genial „You Can Sleep While I Drive“ von Juliane Klein gesungen und untermalt mit Gitarrensoli von Manuel Marcos. „High And Dry“ von Radiohead coverte nicht nur Jamie Cullum hervorragend. Auch die Version von Juliane Klein mit Gesang und Pianospiel beeindruckte. Zudem kam hier das Publikum mit einem dreistimmigen „Oh“-Gesang zum Einsatz.

Bei „Walkin‘ In Memphis“ holte Michael Bielecke Bernd Fuhrich auf die Bühne – am 31. März werden die Beiden auch wieder mit den „Driem Beus“ auf diesem Podium zu hören sein -, der dem Stück den besonderen Kick gab. „An evening with ballands and stories“ gestaltete sich zu einem besonderen Konzertabend. Zum Zuhören und Zurücklehnen mit den größten Balladen der Popgeschichte und einer grandiosen musikalischen Zusammensetzung – einzeln und zusammen sehr beeindruckend.

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Besinnliches, Jeckes und Jazz im weihnachtlichen Mantel

Die letzte Veranstaltung in 2010 mit vorweihnachtlichem Programm im Burghaus Bielstein fand bei rappelvollem Haus trotz starkem Schneefall statt. Der Kulturkreis hatte sich dazu ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk ausgedacht: es gab viel Jazz, Jeckes, aber auch Besinnliches. Hört sich unvereinbar an, aber mit der hochkarätigen „Atlanta-Jazzband“ und dem humorigen Diakon Willibert Pauels zeigte sich dieses Weihnachtskonzert als ganz besonderes Highlight.


Atlanta Jazzband & Willibert Pauels – Fotos: Christian Melzer

Eingestimmt wurde das Publikum mit einem Adventslied – „Macht hoch die Tür“ in „Radau-Fassung“ wie Bandleader Klaus Osterloh vorwarnte. Das traditionelle Stück präsentierten sie mit tollen jazzigen Soloeinlagen von Trompete, Klarinette und Posaune. „In Dixie Jublio“ stand auf dem Liederbuch zum Mitsingen – das Mitsingen klappte hervorragend, Dixie gab es weniger, dafür brillante, swingende und weihnachtliche Stücke von der fast ein Vierteljahrhundert alten Band. Die sechs Musiker sind nicht mehr die Jüngsten, aber ihre Musik ist erfrischend und begeisterte in kürzester Zeit das Publikum.

Auch der jecke Gast aus dem Bergischen zog die Gäste im Burghaus sofort in seinen Bann. Nach einigen weihnachtlichen Musikstücken der „Atlanta Jazzband“ kam Willibert Pauels – der „Bergische Jung“ dazu und „verzällte op Kölsch“ wunderbare Weihnachtsgeschichten. Die Zusammensetzung an diesem Abend aus Jeck und Jazz ist das Ergebnis einer Sandkastenfreundschaft in Wipperfürth zwischen Schlagzeuger Michael Claudi und Willibert Pauels. Seit 51 Jahren wollten sie was zusammen machen.


Willibert Pauels

Das Advent und die rote Pappnas doch zusammenpassen – davon überzeugte der „Bergische Jung“ die Gäste im Burghaus schnell. Von Altersdiskriminierung über den Unterschied zwischen Westfalen und Rheinländern bis zu einer Einladung zu einem atheistischen Stammtisch gingen seine Ausführungen, die für viele Lacher sorgten. Seit 2006 ist Pauels „hauptberuflicher DiaClown mit Nebenberuf Diakon“ und hat eine wunderbare Art, von den Kalauern überzugehen zu besinnlichen, tiefgehenden Gedanken. Der Glaube an Gott sowie den Menschen das Lachen und den Humor nahe zu bringen, ist seine Profession. Ein Prediger der besonderen Art bei dem Advent und Pappnas tatsächlich zusammenpassen.

Die „Atlanta-Jazzband“ übernahm das Programm anschließend wieder und entließ den Bergischen Jung in den Schnee. Durch Tiefschnee aus Bielefeld war Pianist Jochen Bosak angereist, der bei jedem Stück einen wunderbaren Klangteppich legte. Holzblasspezialist Georg Mayr schlitterte aus Euskirchen ins Oberbergische – schon durch seine instrumentale Vielseitigkeit ist er derjenige, der den Sound der Band am Buntesten mitprägt und bereichert. Hervorragend sein Spiel auf Saxophon und Klarinette. Kontrabassist Heinz Greven wohnt in einem der vielen Dörfer in Much und ist das älteste Mitglied – er spielte schon in den frühen Fünfziger-Jahren auf Kreuzfahrten rund um die halbe Welt. Schlagzeuger und Musikpädagoge Michael Claudi, scheint ernste Miene zu heiterem Spiel zu machen – dies ist jedoch seine Oberbergische Zurückhaltung und somit als inneres Lächeln zu interpretieren. Bernt Laukamp an der Posaune und bei diversen Stücken, wie „Let it snow“ für den Gesangspart verantwortlich, ist beim Wiehler Jazz-Publikum bekannt und bewährt. Er gräbt alte Jazz-Titel aus und stellt sie für die „Atlanta Jazzband“ auf die Füße oder auf den Kopf. Der einzige Kölner ist Horst Osterloh – er bläst und singt „lead“ in der Band, für die er auch eine Menge Stücke verfasst hat.

Zum „In Bethlehem geboren“ erzählte Osterloh die Geschichte des Komponisten Friedrich Spee von Langenfeld. Auch zum“The shepherd“ aus Duke Ellingtons Zyklus „The sacred concert“ wusste er einiges zu berichte. Nach einem amüsanten Exkurs Osterlohs über Bernt Laukamps Spanischlern-Versuche in der Vergangenheit gab der mit „Felize Navidad“ den Beweis, dass er nicht nur die Posaune als Instrument exzellent beherrscht. Einem Sprung nach Wales gab es mit dem Stück „Deck the halls with boughs of holly“, bei dem das Publikum nicht nur das „Fa-la-la-la“ mitsang.

„Santa Claus is coming to town“, „Es ist für uns seine Zeit angekommen“ bis zum „Nach-Hause-Schicker-Stück“ – „Rudolph the red nose rendier“ – spielten die sechs Spitzenmusiker alte und neue Weihnachtslieder in jazzigen Arrangements und mit ihren außerordentlichen solistischen Fähigkeiten. Ein hervorragender Jahresausklang für die Burghaus Bielstein Events 2010 und ein ganz besonderes Weihnachtserlebnis!

Vera Marzinski

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Musikalisches Vorweihnachtsgeschenk von Hanjo Gäbler

Ein Stückweit die Weihnachtszeit entschleunigen wollte Hanjo Gäbler mit den beiden Vorweihnachtskonzerten im Burghaus Bielstein. Bei leichtem Schneefall aus dem hohen Norden Deutschlands angereist brachte der Wahlhamburger Pianist, Keyboarder, Komponist, Arrangeur, Autor, Produzent, Studiomusiker und Dozent vieler Gospel-Workshops etliche schöne Weihnachtslieder mit in das Burghaus Bielstein – und das gleich für zwei Abende.


Hanjo Gäbler im Burghaus Bielstein – Foto: Christian Melzer

Mit „Go tell it on the mountains“ eröffnete er den vorweihnachtlichen, musikalischen Reigen. Im Oberbergischen ist Hanjo Gäbler bei den heimischen Gospelsängern seit Jahren bekannt – beim Gospelfestival „Join in“ begeisterte er als Dozent. Mit „I’m dreaming of a white Christmas“ begeisterte er am Donnerstag- und Freitagabend mit filigranen perlenden Klavierklängen. Dabei ist Hanjo Gäbler nicht nur ein hervorragender Pianist – seine Stimme hat ein besonderes Timbre, das den Stücken eine spezielle Note verleiht.

Entspannend sollten die Abende sein und die Gäste zur Ruhe kommen. Das gelang ihm in kürzester Zeit, denn abschalten vom Alltag viel nicht schwer. Mit Erinnerungen aus dem Kindergottesdienst mit Schwester Esther und dem „Er hält die ganze Welt in seiner Hand“ erheiterte Hanjo Gäbler sein Publikum. Dieses Lied mündete dann in ein gemeinsames Gospel-Medley mit „He*s got the whole world“, „This little light of mine“ und „Amen“, was die vielen gospelbegeisterten Gäste perfekt mitsangen. Das Lieblingslied seiner kleinen Tochter – „Stern auf den ich schaue“ – beherrschten die singfreudigen Gäste im Burghaus auch.

Um Weihnachten mag Hanjo Gäbler besonders die englischen Interpreten, so folgte auf diese Ansage ein „Oh holy night“ und „Joy to the world“. Nach einem brillanten „Lovely day“ kam aus dem Publikum ein „Schön!“ – da sprach wohl jemand für alle Gäste. Mitreißende und ruhige Stücke im Wechsel durchzogen die Abende. Gospels und Christmas Songs solo am Flügel in einer besinnlichen, aber auch zwischendurch mitreißenden Atmosphäre. Am zweiten Abend hatte er Verstärkung mitgebracht. Gitarrist Igor Lazarev unterstützte ihn im zweiten Teil des Konzertes. Er stammt aus Jaroslawl/Russland, wo er auch an der Musikkunstfachschule studierte und trat bei den Wiehler Jazztagen in David Thomas Band „High Praise“ auf. Auch Hanjo Gäbler war bei den Internationalen Wiehler Jazztagen bereits zweimal mit von der Partie: mit „All 4 Gospel“ und Helmut Jost’s „Gospelfire“.

In der Burg erlebte das Publikum eine weitere Facette von Hanjo Gäblers musikalischen Fähigkeiten. Besonders anrührend war das „God is able“, das er aus tiefster Seele sang. Es gab eine Zeit in der es ihm nicht gut ging und er hatte viel Zeit zum Nachdenken. „Wenn man so ein Tal durchschritten hat, sieht man viel schneller Menschen, denen es nicht gut geht – gerade in dieser Adventszeit“. Hanjo Gäbler erzählte von Friedrich von Bodelschwing, der 1869 in der Vorweihnachtszeit innerhalb von zwei Wochen vier Kinder verlor und einige Jahre später mit seiner Frau die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel gründete. Sein Lieblingslied war „It is well“ (Mir ist wohl in dem Herrn!) von Horatio Spafford. Dazu sagte Hanjo Gäbler „Beeindruckend, wie jemand, der so einen Schmerz erfahren hat, so fest im Glauben sein kann“. Beeindruckend auch, wie Hanjo Gäbler dieses Lied vortrug. Viel Tiefgang hatte das Konzert – nicht nur mit diesem Stück.

Hanjo Gäbler singt die Lieder nicht einfach, er macht sie lebendig und erlebbar. Dadurch rührt er an und bringt das Publikum zum Nachdenken und entschleunigt tatsächlich die Vorweihnachtszeit. Für die Gäste im Burghaus wurden die Abende zu einem besonderen vorweihnachtlichen Geschenk.

Vera Marzinski

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