Auf die Pilgerreise begleiten – Pilgern in der Phantasie

Dazu lud Carmen Rohrbach die Gäste im Burghaus Bielstein ein. Zu der ersten literarischen Veranstaltung des Kulturkreises in 2009 begrüßte Kulturkreis-Vorsitzender Dr. Erwin Kampf die Gäste und bedankte sich für die tatkräftige Unterstützung durch die Buchhandlung Hansen+Kröger.

„Gemeinsam den Jakobsweg wandern“ – der Aufforderung kamen die Gäste gerne nach. Eine wunderschöne Reisebeschreibung von Carmen Rohrbach mit ihrem Wanderkollegen, – dem Esel „Chocolat“ – führte in eine ganz andere Welt und verführte zum Abschalten. Bildhaft beschreibt Carmen Rohrbach die Wege, die Gedanken und Momente, Situationen sowie die Pflegschaft um „Chocolat“. Bildhaft im doppelten Sinne – zum einen mit ihrer fabelhaften Beschreibung und zum anderen mit brillanten Bildern.

Bevor Carmen Rohrbach von ihrer Pilgerreise mit dem vierbeinigen Begleiter berichtet gibt sie eine kurze Einführung in die Geschichte des Weges nach Santiago de Compostela sowie Bilder vom Zielpunkt des Jakobsweges und einzelnen Stationen auf dem Camino de Francés bis zu Saint-Jean-Pied-de-Port. Hier startete sie ihre erste Pilger-Wanderung mit dem Rucksack und hier endete die zweite Reise mit ihrem gar nicht so störrischen Wanderkollegen.

Das intensive Erspüren der Natur könne nur stattfinden, wenn man langsam unterwegs sei, verriet sie. Schritt für Schritt öffnen sich die Dinge und man erspürt die Eindrücke von außen und auch das was in einem vorgeht viel nachhaltiger. Durch ihren Reisebegleiter war Carmen Rohrbach ab Le Puy wesentlich langsamer als andere Pilger unterwegs. Einesteils weil „Chocolat“ gerne mal eine längere Fresspause einlegte, anderenteils weil einige Umwege erforderlich waren durch seine Angst vor Wasser. Dabei war ihr nur eins wichtig, was sie auch als Lebensregel mitgab: „Man darf sein Ziel nicht aus den Augen verlieren, aber sollte Umwege in Kauf nehmen, denn auf solchen Umwegen kann viel Schönes passieren, mit dem man nicht gerechnet hat“.

Mit einem Esel, der Angst vor Wasser und Kühen hatte, aber Morast und Pferde liebte, bahnte sich Carmen Rohrbach ihren Weg auf dem 700 Kilometer langen französischen Abschnitt, der Via Podiensis, von der Auvergne durch das „Massif Central“ bis zu den Pyrenäen. Eindrucksvoll auch ihre Begegnungen mit anderen Pilgern. Davon las sie auch aus ihrem Buch „Muscheln am Weg“ vor. In einer Herberge traf sie auf eine katholische, deutsche Pilgergruppe, die ihre Eucharistie-Feier in freier Natur abhielt. Meist übernachtete sie auf freiem Feld im Zelt, manchmal in einer Herberge, wenn für „Chocolat“ eine Weide bereit stand. Auch durch die Landschaft, in der die Geschichte zu Patrik Süßkinds Roman „Das Parfüm“ spielt, pilgerte sie – vorbei an duftenden, blütenreichen Wiesen. Ebenfalls die Steinmetzkunst ist immer wieder sehr imponierend und ausdrucksstark – auch auf den Fotos, die sicherlich das tatsächliche Bild nicht so imposant wiedergeben können.

Eine eindrucksvolle Reise – mittlerweile von vielen erpilgert oder erwandert. Aber Carmen Rohrbach sagt: „Alle haben das gleiche Ziel (Santiago de Compostela), aber jeder erlebt den Weg dahin anders“. So manch einer der Gäste im Burghaus ging schon ein Stück des Pilgerweges, bei manchem hat dieser Vortrag sicherlich Lust darauf entfacht, viele nahmen einen bleibenden Eindruck von den Bildern und Worten mit.

Carmen Rohrbach stammt aus Bischofswerda bei Dresden und wollte schon immer ferne Länder erforschen – in der DDR ein aussichtsloses Unterfangen. Das Biologiestudium in Greifswald und Leipzig schloss sie mit dem Diplom ab, und bemühte sich um Forschungsaufträge in Kuba, Mongolei oder in Sibirien. Die Flucht in die Freiheit brachte erstmal zwei Jahre Aufenthalt im Gefängnis und 1976 die Ausweisung in den Westen. Im selben Jahr noch kam Carmen Rohrbach an das Institut des Verhaltensforschers Konrad Lorenz und promovierte über mongolische Wüstenrennmäuse. Von ihrer neuen Heimat München aus erfüllte sie sich endlich ihre Träume. Sie reiste nach Afrika, Asien, Amerika, durchquerte den Jemen allein auf einem Kamel, wanderte ein halbes Jahr durch die Anden in Ecuador oder pilgerte auf dem Jakobsweg durch den Norden Spaniens. Auf ihrer Homepage www.carmenrohrbach.de schreibt sie über sich selbst: „In der ganzen Welt bin ich zu Hause, und Bayern ist mein Basislager. Viele Länder habe ich zu Fuß durchquert, manchmal waren meine Begleiter Kamele, Esel oder Pferde. Immer bin ich auf der Suche nach neuen Herausforderungen.“

Vera Marzinski

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