Booker-Literaturpreis-Gewinner 2010 beeindruckte im Burghaus

Der britische Schriftsteller Howard Jacobson erhielt 2010 den renommierten Booker Prize für seinen Roman „The Finkler Question“. Am Montagabend bekamen die Gäste im Burghaus Bielstein einen Einblick in diesen Roman und über das Schreiben von Howard Jacobson. Wie sprachlich raffiniert dieses Buch und der Autor sind, erlebten sie an diesem Abend auf beeindruckende Weise.


Foto: Christian Melzer

Margarete von Schwarzkopf moderierte wieder einmal einen fabelhaften Literaturabend im Burghaus und auch die deutsche Stimme zum Roman – Schauspieler Heikko Deutschmann – las nicht zum ersten Mal in den Bielsteiner Gemäuern. Aber Deutschmann verlieh nicht nur brillant dem Text Gehör sondern brachte es mit seinem Kommentar auf den Punkt: „Die feinen Beschreibungen im Roman kommen wie auf Messers Schneide daher.“ Es sei ein Futter, das einem Spaß mache beim Lesen und je besser ein Text sei, desto weniger Vorarbeit sei für die Lesung notwendig.

Musik und der Klang der Sprache ist für Howard Jacobson wichtig, verriet er Margarete von Schwarzkopf und dem Publikum. Wenn er schreibe, höre er den Text in seinem Kopf und vielleicht hat sein Roman deshalb so einen besonderen Rhythmus. Aber auch, wenn er erzählt oder auf die Fragen der Moderatorin eingeht: man ist gefesselt davon. Auch oder gerade weil er so enthusiastisch dabei ist. Howard Jacobson, sieht sich nach eigenem Bekunden „lieber als die jüdische Jane Austen als der englische Philip Roth – oder als Kind der beiden“.

„Die Finkler-Frage“ ist ein Roman, mit drei verschiedenen Charakteren. Julian Treslove – der gerne Jude wäre und eine Frau hätte -, Libor Sevcik und Samuel Finkler – die beide frisch verwitwet und Juden sind. Dabei ist „Finkler“ nicht nur ein Name sondern auch ein Synonym für alles Jüdische. Howard Jacobson lässt bei der Lesung so nebenbei den jüdischen Humor spüren, als er bemerkt: „Alle Juden sollten Finkler heißen oder vielleicht doch Sprinkler“. Der jüdische Humor ist einer der subtilsten – ein Humor, der mit der Tragik des Lebens umgeht. Genau das findet sich auch in dem Buch wieder. Es geht um Freundschaft, Liebe, Loyalität und auch darum, was es bedeutet jüdisch zu sein.

Julian Teslove sucht nach einer Identität. Sein Leben ist ein Scherbenhaufen, denn er scheitert im Beruf und in Beziehungen. Nachdem er einer Raubattacke zum Opfer fällt, bei der er als „Du Jud!“ beschimpft wird, verspürt er ein Zugehörigkeitsgefühl zu den Juden und meint im richtigen Leben angekommen zu sein. Seine Freunde betrachten diese Bemühungen mit Spott und zunehmender Sorge. Zudem lernt er Hepzibah Weizenbaum kennen, die zunächst sehr angetan ist von seinem „Finklertum“. Dass Julian Treslove am Ende Opfer seiner eigenen Sehnsüchte wird, ist nur eine der vielen bitteren Lektionen dieses wichtigen Werks.

Ein Roman der sehr dramatisch, aber auch sehr komisch ist. „Mit Selbstironie und Selbstoffenbarung und voller Sprachwitz, beweist Jacobson, dass sich Komik und Größe literarisch keineswegs ausschließen.“ so die FAZ zu seinem Buch. Und er selbst sagt, dass es darum geht, die komischen Seiten des Lebens zu beschreiben und nicht darum komisch zu schreiben. Letztendlich, so Jacobson: „Ohne Lachen ist das Leben nichts“. Mit Recht hat der britische Autor Howard Jacobson hat den Booker Prizer 2010 gewonnen, denn mit seinem Roman sei Jacobson „ein vollauf würdiger Gewinner dieses großartigen Preises.“, so auch die Jury des wichtigsten Preises des Commonwealth-Raumes.

Vera Marzinski

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Fotos: Christian Melzer

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