007-Wunder mit der Lizenz zum Begeistern

Wer kennt die Musik nicht, mit der jeder James-Bond-Film anfängt!? Genauso startete der Literaturabend im Burghaus Bielstein am Sonntagabend. „Zu der Musik wollte ich immer mal auftreten“, so Dietmar Wunder, der aus dem neuen James-Bond-Roman von Jeffrey Deaver las. Wunder ist die deutsche Stimme von James Bond-Darsteller Daniel Craig und war mit dem Autor des neuen Romans bis zum Vortag auf Deutschland-Lesereise. In Wiehl, und nur hier, durfte Dietmar Wunder in einem Soloprogramm „007“ zum Leben erwecken.


Dietmar Wunder – Foto: Christian Melzer

Als Jeffrey Deaver als Autor für den neuen James-Bond-Roman ausgewählt wurde, benötigte er ganze fünf Sekunden, bevor er sagte: „Ja, das will ich machen!“. Sein Bond ist ein relativ junger Agent, und die Geschichte spielt in der Gegenwart. Dabei basiert er nicht auf einer der Filmversionen, sondern auf dem Charakter in den ursprünglichen Romanen. „Carte Blanche“ heißt der neue Roman – und genau solch eine Carte Blanche erhält 007. In Bielstein stieg Dietmar Wunder mit dem Anfang des Romans ein. Natürlich ist eine Frau mit im Spiel. Und – Moneypenny fehlt auch nicht in diesem neuen James-Bond-Roman. Später noch ein Einblick in ein späteres Kapitel, wo Bond noch rund zweieinhalb Stunden Zeit hat, um herauszufinden, wo die Bombe hochgeht – aber die Bombe, wie der Roman ausgeht, verriet Wunder nicht.

Der neue James-Bond-Film „Sky Fall“, der im Herbst erscheint, ist nicht identisch mit „Carte Blanche“. Aber wie es aussieht, verriet Wunder, bleibt Craig auch weiterhin der 007-Darsteller. Vor 50 Jahren lief der erste James Bond Film und James Bond wurde in jedem Jahrzehnt wieder neu erfunden. Wie würde Bond klingen wenn er wirklich gealtert wäre? Dietmar Wunder stellte dies wunderbar mit seiner Stimme dar und man sah den Greis Bond förmlich vor sich.

Wen hat Wunder vor sich gesehen, als er den James Bond las? Er sah Daniel Craig vor sich. Bei „Casino Royal“ war Wunder erstmals die deutsche Bond-Stimme. Allerdings musste er gestehen: „Ich komme nicht ganz so sportlich aus dem Wasser wie Craig“ – aber schon alleine durch seine sonore Stimme wirkte er in Bielstein und hatte eine überaus sympathische Ausstrahlung. Die Geschichte, wie er zum Synchronisieren der James Bond Filme mit Daniel Craig kam, war nicht weniger spannend und interessant wie der Roman. Auch die Erklärung, weshalb Synchronisierung positiv ist: denn eigentlich soll ein Film in eine andere Welt mit hineinnehmen, aber wenn man die Untertitel lesen muss, funktioniert das nicht. Eine kleine Überraschungen hatte Wunder auch noch dabei: Zum einen Bond-Filmausschnitt präsentierte er eine Live-Synchronisation: „Mein Name ist Bond – James Bond“.

James-Bond-Autor Jeffery Deaver – 1950 in Illinois/USA geboren – gilt als einer der weltweit besten Autoren intelligenter psychologischer Thriller, der einen schier unerträglichen Nervenkitzel erzeugt. Er verführt mit falschen Fährten, überrascht mit blitzschnellen Wendungen. Seine Bücher, die in 25 Sprachen übersetzt werden und in 150 Ländern erscheinen, haben ihm bereits zahlreiche Auszeichnungen eingebracht. Darunter auch sein Roman „Die Assistentin“, der unter dem Titel „Der Knochenjäger“ (mit Denzel Washington und Angelina Jolie in den Hauptrollen) verfilmt wurde.

Dietmar Wunder ist ein alter Hase im Synchrongeschäft, seine erste Aufnahme machte er 1991. Wer an Adam Sandler denkt, hat seine Stimme im Kopf. James Bond begeisterte ihn von Kindesbeinen an – ab 2006 lieh er ihm seine Stimme. Seitdem ist er unverkennbar mit dem englischen Mimen Craig verbunden. Momentan ist Dietmar Wunder in der Neuverfilmung von Stieg Larssons „Verblendung“ zu hören. In Wiehl überzeugte er mit einem spannenden Thriller, viel Charisma, seinem endlosen Wortschwall – er hatte so viel zu erzählen -, seiner tiefen, leicht rauchig-sonoren Stimme und verzichtete zum James-Bond-Roman freiwillig auf den Martini.

Vera Marzinski

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