Luther und Fatime erklären die Reformation

Die Kirchenkabarettgruppe „Klüngelbeutel“ hat ihr Bühnenprogramm zum Reformationsjubiläum mit „Djihad in Wittenberg – Martin Luther sein Kampf“ betitelt und gleich an zwei Tagen im Burghaus Bielstein aufgeführt.

Wolfram Behmenburg als Luther und Ulrike Behmenburg als Fatime im Glaubenskampf - Foto: Vera Marzinski
Wolfram Behmenburg als Luther und Ulrike Behmenburg als Fatime im Glaubenskampf – Foto: Vera Marzinski

Luther alias Wolfram Behmenburg hämmerte nicht nur die Thesen an die Tür in Wittenberg, er ist der Hammer – meint er. Doch die in eine schwarze Burka gehüllte Fatime fordert ihn auf: „Mach mal Djihad“. Sie ist gläubige Muslima in der zweiten Generation und fordert den in die Gegenwart zurückgekehrten Luther heraus.

Interreligiöses Kabarett mit vielen Anstößen und Provokationen. Das Ensemble „Klüngelbeutel“ ist auf der Grenzlinie von ernst und lustig, fromm und frech – aber das ist seit je her ihr Markenzeichnen. Da wundert den Zuschauer nicht die rappende Muslima oder der „chronische Protestantismus“ und wo man ihn behandeln lässt. Die Kölschen Protestantismus-Experten Schwader und Lapp kommen mit ihren kölschen Dialogen über die Reformationsgeschichte daher und propagieren „Drink doch ene mit“ als Lied vom Laienkelch und zum Priestertum aller Gläubigen erklingt „Und dann die Hände zum Himmel“. Gerappt wird – „Ich bin Hammer“ nach Culcha Candelas „Hamma“ – und türkisch gelernt – von „Güle güle“ (auf Wiedersehen) bis „Șehir temizlik dairesi (Stadtreinigungsamt). Beim LST, dem Luther-Support-Telefon, werden Anfragen entgegengenommen, wie die vom obersten Euro-Hüter Mario Draghi, der schnell noch evangelisch werden möchte. Der Salafist mit dem Koffer scheitert an den Drähten beim Bombenbau und anstatt einer großen Explosion erscheint nach kurzem Donner Jesus – als Handpuppe. Gefolgt von Mose und Mohammed, die auch nichts beim begriffsstutzigen Salafisten ausrichten können. Und mit „I rise like phoenix“ kann die Handpuppe als Conchita Wurst den jungen Mann doch noch auf den richtigen Weg bringen.

Der richtige Weg für Luther ist nach Kardinal Woelki – wieder Wolfram Behmenburg – doch zu den Katholiken zurückzukehren. Er will ihn sogar heilig sprechen, lockt ihn mit „Es wird Nacht Martin Luther“ auf die Melodie von Udo Jürgens „Es wird Nacht, Sinorita“, und weiß “Und ab da ist er wieder einer von uns“. Denn der Protestantismus muss ja eigentlich ärztlich behandelt werden. Ulrike Behmenburg bekennt „Ich hab das chronisch: Protestantismus gravis Wittenberensis“. Und wer ist schuld daran? Der Erfinder der Krankheit himself: Martin Luther. Am Ende heißt es dann: „Wie sehen wir den Reformator?“ Kritisch aber auch heiter – und so ist das gesamte Programm des „Klüngelbeutels“. Seit über 25 Jahren gibt es sie. Auf der Bühne: Ulrike Behmenburg, Sozialpädagogin, und Wolfram Behmenburg, Pfarrer. Am Klavier: Walter Kunz, ebenfalls Pfarrer, Stagehand und Frau für alle Fälle: Doris Kunz, Lehrerin und Fachseminarleiterin. Und in Bielstein waren sie schon mehrfach – kommt doch Behmenburg aus Wiehl. Nach einem verbalen Schlagabtausch zwischen Luther (Wolfram Behmenburg) und Fatime (Ulrike Behmenburg) mit dem Einsatz von Boxhandschuhen endet das Programm und das Urteil im Ring lautet: Unentschieden mit Versöhnung. „Muslime und Christen haben sich gegenseitig so viel zu sagen.“

Vera Marzinski

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Fotos: Vera Marzinski

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