Burghaus wurde zur Mailänder Scala

Klassische Musik – aufregend, zeitgemäß, mitreißend, ein wenig ironisch, erfrischend. Das zelebrierten die sechs ausgebildeten Sängerinnen und Sänger von „The Cast“ im Burghaus Bielstein.

„Wie Sie alle wissen, hat die Oper strenge Regeln, an die Sie sich halten müssen“, belehrte Till Bleckwedel das Bielsteiner Publikum. Allerdings sei die Idee zu „The Cast“ bei einem Hausmusikabend geboren worden, deshalb: „Klatschen Sie viel, fotografieren und filmen Sie gerne – und am besten laden sie dies direkt hoch und stellen es online“, kam dann ganz verschmitzt.

Ein Opernlieder-Abend der Extraklasse mit außergewöhnlichen Sängerinnen und Sängern erlebten die Gäste dann am Donnerstagabend. Und es gab einen facettenreichen Querschnitt durch die Welt der Opern- und Operettenmusik. Beispielsweise Puccinis „Che gelida manina“ – übersetzt: Was für ein eiskaltes Händchen – aus „La Boheme“ oder die Papageno-Arie aus „Die Zauberflöte“. Immer irgendwie mit einem Augenzwinkern und sehr viel Ausdruckskraft.

Sie sind alle aus unterschiedlichen Ländern – Bariton Till beispielsweise aus „Bremen“, auch wenn er wie ein italienischer Don Giovanni aussieht. Mezzosopranistin Anne Byrne stammt aus New York. Aber nicht aus dem mit den gelben Taxis, sondern da wo die Kühe rumlaufen, erklärt sie.

Bryn Vertesi gründete das Ensemble 2012 – seit zweieinhalb Jahren treten sie in dieser Besetzung auf. Sie erzählte dem Publikum, dass sie aus einem nicht-musikalischen Elternhaus käme. Mit zehn Jahren habe sie ein Stück von Maria Callas in dem Film „Philadelphia“ gehört und wusste: „Das will ich auch machen“. Für das Bielsteiner Publikum sang die Sopranistin diese Arie – „La mamma morta“ aus dem 3. Akt der Oper „Andrea Chénier“ von Umberto Giordano.

Allan Boxer ist der Bariton des Ensembles. Bevor er „I never would leave you“ sang, erklärte er, woher sein Name stamme. Seine Mutter war ganz begeistert von Alain Delon, aber die Kroatin lernte in Israel keinen Franzosen, sondern einen Amerikaner kennen. Ihr gemeinsamer Sohn heiratete allerdings eine Französin und „meine Kinder sind Ossis“, so Allan – in Berlin und Dresden geboren.

Guillermo Valdés stammt aus Chile und ist der Tenor bei „The Cast“. Er ist ebenso brillant wie die fünf anderen Ensemblemitglieder. Farblich sticht Carrie Anne Winter heraus mit ihren pinkfarbenen kurzen Haaren. Sie trug unter anderem Händels Cleopatra mit „Da Tempeste“ vor.

Bei „The Cast“ ist nichts verkrampft, wie man es mit Opernvorträgen verbindet. Sie entwerfen ihre eigene Performance rund um das Geschichtenerzählen. So holten sie eine Dame aus dem Publikum und die drei Herren sangen sie mit „Dein ist mein ganzes Herz“ an, eine Arie aus dem 2. Akt der 1929 uraufgeführten Operette „Das Land des Lächelns“. „In der traditionellen Oper komme ich nicht annähernd an die eigentliche Geschichte“, sagt Bryn Vertesi, aber mit diesem Ensemble gelingt das.

Die Stimmen des homogenen Sextetts begleitete Pianist Yu Chen, der das Orchester brillant ersetzte. Ein außergewöhnliches und unterhaltsames Opernensemble, das dieses Musik-Genre soviel näher brachte.

Vera Marzinski

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Fotos: Vera Marzinski

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