Der „Spatz von Paris“ unterm Burghaus-Dach

Sie war die „Grand Dame“ des französischen Chansons und das mit ihrer Körpergröße von 1,47. Ihr ereignisreiches und intensives Leben macht sie unvergesslich.

Sehr ausdrucksstark war Daniela Dingfelds Performance im Programm „Alles oder Nichts“ über Edith Piaf. Foto: Vera Marzinski

Zusammen mit dem Akkordeonisten Antonello Simone brachte Daniela Dingfeld – als „Duo Dingfeld“ – eine Mischung aus Gesang und Schauspiel auf die Bühne im Burghaus Bielstein im Rahmen des Kulturkreis Wiehl Herbstprogrammes. Die Aufführung beleuchtet das bewegte Leben und die weltberühmten Lieder des „Spatz von Paris“ Edith Piaf.

“Padam padam” aus dem Jahr 1951 handelt von einer obsessiven Melodie und dem Pochen eines Herzschlags, der schmerzliche Erinnerungen an vergangene Lieben weckt. Damit begann die Hommage an Edith Piaf (1915 – 1963). „An dem Tag, als das Glück anklopfte“, da wollte Daniela Dingfeld mit dem Programm beginnen. So sang die kleine Dame Edith mit einer Freundin malwieder an einem Straßencafé – und sie erhielten fünf Franc von einem Herrn. Einen Herrn holte Daniela sich auch auf die Bühne, nachdem sie eifrig Champagner verteilt hatte. Dazu sang sie „Allez, venez Milord“ und tanzte sogar mit ihm. Noten von 1853 vom Ohrwurm der Epoche hatte das Duo am Bühnenrand aufgestellt – das Lied „La fiancée du démon“ gehörte zum Repertoire von Édith Piaf. Es gehört zu den dramatischen Liedern die sie in den 1930er Jahren sang. Beim Vorsingen bei dem spendablen Herrn am Straßencafé sei Edith Piaf zu spät gekommen, erzählte Daniela Dingfeld – ihr Repertoire kam auch nicht so gut an. Dennoch wurde sie von Louis Leplée entdeckt. In seinem beliebten Pariser Nachtlokal „Le Gerny“ trat sie als „Môme Piaf“ (Kleiner Spatz) auf. „Der Rest ist Geschichte“, so Daniela Dingfeld. „Sie sang, als singe sie ihr Selbstporträt“. Über ihre drei engen Freunde erzählte Dingfeld – und über Simone Berteaut, auch bekannt unter ihrem Spitznamen „Mômone“. Sie war die engste Freundin und langjährige Wegbegleiterin von Édith Piaf, die sie schon früh kennenlernte.

Sehr ausdrucksstark war Daniela Dingfelds Performance im Programm „Alles oder Nichts“ über Edith Piaf. Foto: Vera Marzinski

Zur Spieluhr mit „La vie en rose“ gab es Erzählungen aus Piafs Kindheit – über die Mutter die sie verlassen hatte und bei der Großmutter im Bordell ließ. Einen kleinen Streifzug durch Edith Piaffs Liebesleben hatte das Duo auch dabei. Was ihr die Liebe gegeben habe? Das tragische, das außergewöhnliche. Und Daniela Dingfeld und Antonello Simone präsentierten zudem ein Chanson-Nachwuchs-Männermedley, wie „Nathalie“ von Gilbert Bécaud. Auch über das Kennenlernen von Piaf und Marlene Dietrich erzählten sie. Und über die drei Monate, als es ihr schon schlecht ging und sie jeden Abend „Non regret rien“ sang um das Pariser Musiktheater L’Olympia zu retten – das gibt es heute noch. Edith Piaf war eine zarte Person mit einer Stimme einer Riesin. Verankert in unserer Erinnerung durch Ihren Gesang und die einzigartige Interpretation ihrer Chansons. Und auch, wegen ihres ereignisreichen und intensiven Lebens. Lieder und biographisches Material wurden nun in diesem Programm verquickt und hielten so manch überraschende Geschichten bereit, die viele unbekannte Einblicke in Ihr Leben und Schaffen schenkten. Daniela Dingfeld ist langjährige Dozentin für Stimme, Sprache und Gesang und Natural Voice Teacher. Mit 20 Jahren Theaterprojektleitung, vier Soloprogrammen und einem Hauch Tango Argentino bringt sie künstlerische Vielfalt und Ausdruckskraft auf die Bühne. Der Italiener Antonello Simone ist neben einer Vielzahl von Konzerten in verschiedenen Ensembles und Stilrichtungen, von Klassik über Jazz bis Kölsche Mundart, seit mehr als 30 Jahren im Rheinland pädagogisch tätig. Er ist Fachbereichsleiter fürAkkordeno an der Städischen Max-Burch-Musikschule in Bergisch Gladbach. Die beiden boten einen rundum wundervollen Abend mit „Alles und Nichts“, der Hommage an Edith Piaf.

Vera Marzinski

Die nachfolgende Bilderserie wird Ihnen präsentiert von:


 

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Fotos: Vera Marzinski

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