„Vor Gebrauch schütteln“ – Lesung mit Heinz Rudolf Kunze

Der Rocksänger, Musicaltexter/-übersetzer und Schriftsteller Heinz Rudolf Kunze las am Mittwochabend aus seinem Buch „Vor Gebrauch schütteln“, das er als „kein Roman“ bezeichnet. Das ist es auch nicht, denn mit der Kunstfigur Trubschacher schafft Heinz Rudolf Kunze ein alter Ego, mit dessen Hilfe er seine rigorosen, immer präzisen Beobachtungen zu Papier gibt. Daran ließ er auch die Gäste im Burghaus bei der Lesung teilhaben.


Heinz Rudolf Kunze – Foto: Christian Melzer

Die Herbst-Auftaktveranstaltung Literatur mit Heinz Rudolf Kunze im Rahmen der Kulturkreis Wiehl und Buchhandlung Hansen&Kröger-Veranstaltungen war komplett ausverkauft. Und es war mucksmäuschenstill im Burghaus. Gebannt verfolgten die Gäste jedes Wort von Heinz Rudolf Kunze. Jan Drees, der zuvor den musikalischen Auftakt der Veranstaltung bot, spielte immer wieder zwischen den einzelnen gelesenen Kapiteln. Brillant gestalteten Kunze und Drees die Lesung durch den Wechsel von Instrumentalmusik und Textpassagen aus dem Buch „Vor Gebrauch schütteln“.

Mit „Also ein paar Dinge müssen geklärt werden, bevor wir anfangen“. Damit eröffnete Kunze den Übergang zu ein paar Statements zu den Beatles und den Bee Gees, aber auch dazu, dass irgendwann die Idee aufkam: „Wir wollen ein Buch schreiben“. „Wir“ ist er selbst. Er wollte ein Buch schreiben, das ihm selbst gefallen würde. Der Sprachkünstler und Querdenker hat ein sehr überraschendes Buch geschaffen, das – obwohl keine stringente Handlung vorhanden ist – fesselt. Da kommt ein Traum als gehörnter Partner vor – aus dem er nicht mehr aufwacht. Die Frage: „Was ist gute Prosa?“ oder „Kann es denn so schwierig sein ein gutes Buch zu schreiben? Wann ist der richtige Tag?“

Die Texte, wie Gedanken, die einem so durch den Kopf gehen. Über die kleinen und großen Begebenheiten. Von eigenen Jugenderlebnissen bis zum Sinnieren über Picassos Wortmüll. Manchmal etwas sehr utopisch, wenn Miles Davis Nougat in sein Musikinstrument stopft. Interessant auch die Reflektionen zum Wort „Schlager“. So könne man mit Schlagertexten die Taliban wahrscheinlich effektvoller bekämpfen als mit ABC-Waffen. Zudem: Er hört Dylan oder Kastelruther Spatzen. Lady Di – tot? Wer glaubt denn sowas? Sie übernahm seinen Kellerraum nachdem Hitler dort hochbetagt starb. Heinz Rudolf Kunze erzählt dies, bzw. liest dies auch seinem Buch, als ob diese Fiktion Wirklichkeit sei. Dabei mit einem ganz speziellen Humor. Sätze aneinandergereiht, die sich verstricken und wie ein Wein im Abgang erst spürbar werden. Teilweise sehr makaber.

Sprachmächtig mit vielfältigen Themen – Musik, Philosophie, Eltern und Kindheit und der Alltag in all seinen Tiefen und Untiefen. Ein Buch wie Kunze selbst: einzigartig, gewagt und immer originell. Heinz Rudolf Erich Arthur Kunze, Jahrgang 1956, hatte seinen größten Single-Erfolg 1985 mit „Dein ist mein ganzes Herz“. Er erhielt 1986, 1999, 2007 die „Goldene Stimmgabel“. Neben seiner Rockmusik komponierte er auch die Hymne des Evangelischen Kirchentages (Mehr als dies) und schrieb Musical-Übersetzungen zu „Les Miserables“, „Joseph“ oder auch „Miss Saigon“. Auch sein Begleiter an diesem Abend in Bielstein ist vielseitig: Jan Drees, geb. 1974, Gitarrist, komponiert und produziert Instrumentalmusik. Seit 1997 führt er diese mit Loop Delays live auf – dabei werden live gespielte Klänge übereinander gelegt.

Nach dem sehr herausragenden Lesungsabend kam doch noch: der Musiker Heinz Rudolf Kunze. Mit zwei Stücken seiner aktuellen CD „Die Gunst der Stunde“, die er zu seinem 30. Bühnenjubiläum herausgebracht hat. Die Gunst der Stunde hatten auch die Besucher an diesem Abend, der mehr als beeindruckend war.

Vera Marzinski

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Fotos: Christian Melzer

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