Klangvoller „Tucholsky Abend“ mit Steller

„Literatur musikalisch im Burghaus“ hieß es am Donnerstagabend wieder in Bielstein. Oliver Steller – der im Herbst 2015 gemeinsam mit Bassist Dietmar Fuhr und Saxophonist Bernd Winterschladen das Programm „Rainer-Maria Rilke – Zwischen den Sternen“ präsentierte, kam diesmal alleine.

Zwischen Geschichten aus dem Leben Tucholskys werden sein Charakter und seine Gedichte durch Oliver Stellers Sprache und Gesang lebendig. Das Ergebnis: Ein unvergesslicher Abend, nicht nur für Literaturliebhaber. Foto: Vera Marzinski
Zwischen Geschichten aus dem Leben Tucholskys werden sein Charakter und seine Gedichte durch Oliver Stellers Sprache und Gesang lebendig. Das Ergebnis: Ein unvergesslicher Abend, nicht nur für Literaturliebhaber. Foto: Vera Marzinski

Nur Steller mit der wunderbaren Stimme, ob sprechend oder singend, und seine Gitarre. Und er bot wieder eine geniale Verknüpfung von Musik und Literatur.

Und wie bei Stellers Abenden mit Blick auf herausragende Literaturgrößen üblich, hörten die Gäste nicht nur viele Gedichte und vertonte Worte, sondern auch so manches aus dem Leben des Künstlers. Die biographischen Erzählungen erlaubten auch Ausflüge zu Kästner und Rilke, denn die Herren kannten sich damals. Auch wenn sie sicher nicht mehr als „Bekannte“ waren, wusste Steller. Vom Geburtsjahr – Kurt Tucholsky erblickte am 9. Januar 1890 das Licht der Welt – über die ersten Artikel und den ersten Roman („Rheinsberg“) und seine Bücher-Bar, die eher eine Schnapsidee war, ging es zügig durch dessen Leben. Mit jazz- und bluesbeeinflussten Kompositionen zeichnete Oliver Steller das Leben Tucholskys emotional mitreißend nach. Und für das nicht anwesende Publikum in Bielstein hatte er ein „Hochverehrtes Publikum, bist du wirklich so dumm?“ dabei. „Rosen auf den Weg gestreut“ hatte Tucholsky nicht. So facettenreich wie sein Leben und seine Gedichte auch die Pseudonyme unter denen er schrieb: Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel. Sein “Ein deutsches Volkslied“ ist erschreckend aktuell. Aber das sind viele von Tucholskys Texten. Sein Blick auf die Politik und auf die Menschen mit ihren Befindlichkeiten war sehr genau. So ganz genau nahm er es dann nicht mit seinem Sohn Ludolf – der kam zwar in Tucholskys Gedichten vor, aber im wahren Leben existierte er gar nicht.

Oliver Steller ist als Rezitator, Gitarrist und Sänger grandios. Seine Liebe zur Literatur hat er nach der Schule wiederentdeckt. Da wäre er gerne anders an die großen der deutschen Literatur herangeführt worden. Wie, dass demonstrierte er in seiner Zugabe, in der er Lessing mal ganz neu zeigte und etwas von Heinrich Heine – der Lehrmeister von Tucholsky war – darbot. Meist spielt Steller brillant zu seinen Texten auf der Gitarre – das kommt nicht von ungefähr, denn erst im Anschluss an ein Musikstudium in den USA und einem Jahrzehnt als freischaffender Musiker, gab der Gitarrist und Sänger 1995 sein Debüt als Rezitator. Die FAZ bezeichnet Oliver Steller heute als „Stimme deutscher Lyrik“. Und mit seiner „Dreidimensionale Lyrik“ begeistert  Oliver Steller das Publikum. „Dem Mann könnte man stundenlang zuhören, auch wenn er aus dem Telefonbuch vorläse. Doch, wer die Chance hat, Oliver Steller bei seinen speziellen musikalischen Dichter-Vorträgen zu erleben, sollte sie sich nicht entgehen lassen“ (Kölner Stadtanzeiger) Er hat ja noch so einige Programme – auch wunderbare Kinderprogramme, mit denen er an Schulen und Kindergärten zu sehen ist. „Und jedes Mal ist es wieder ganz anders“, schmunzelt er, denn die Reaktion sei nicht vorhersehbar, wenn er mit seiner Gitarre Frieda spielt, singt, rappt, zaubert und Quatsch macht. Da leben Gedichte auf und zeigen, was sie können – von ihm vorgetragen und gesungen bringen sie Poesie in den Alltag, feiern lyrisch die Lebenslust und wecken Freude an der Sprache. Und das nicht nur bei den Kindern, wie man nach dem „Tucholsky“-Abend im Burghaus feststellen konnte.

Vera Marzinski

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Fotos: Vera Marzinski

 

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