Klavier-Duo mit ungewöhnlichem Konzert

Klassik im Burghaus – da hören die Gäste meist Beethoven, Mozart oder Bach. Bach war diesmal auch dabei, allerdings boten Dorrit Bauerecker und Christoph Stöber absolut kein gewöhnliches Klavierkonzert.

An den Tasten fungieren Dorrit Bauerecker und Christoph Stöber als Pianisten, aber sie performten auch noch ganz experimentelle Dinge. Foto: Vera Marzinski

Das Duo befasst sich mit der Erforschung des Repertoires für vierhändige Klaviermusik vom Barock bis zum 21. Jahrhundert. Mit ihrem aktuellen Programm „N.E.T.Z.“ hatten sie im Burghaus viel „Experimentelle Musik“ dabei – und das Publikum ließ sich nicht abschrecken. Im Gegenteil, es wurde aufmerksam aufgenommen, was Dorrit Bauerecker und Christoph Stöber performten. Sie starteten mit „Counting“, eins der Zähl-Musikstücke des Minimal-Music-Komponisten Tom Johnson. „Sie kennen sicherlich das „Hurz“ von Hape Kerkeling – das ist genau das, was wir machen“, so Stöber. Die „Dolly Suite op. 56“ von Gabriel Fauré ist eine berühmte Sammlung von sechs kurzen Klavierstücken zu vier Händen, aus der das Duo einen Auszug am Burghausflügel spielte. Das berühmteste ungarische Klavierstück mit dem Titel „Spiel“ (ungarisch Játék) stammt aus der Sammlung Játékok (Spiele) des ungarischen Komponisten György Kurtág aus der sie sie vier Stücke spielten. Kurtag gilt neben György Ligeti und Péter Eötvös als der international erfolgreichste ungarische Komponist nach 1945.

Spannende Performance der beiden Künstler, auch ohne Klavier. Foto: Vera Marzinski

Experimentelle Musik zeichnet sich vor allem durch strikten Minimalismus, mathematische Prinzipien, Permutationen – das systematische Vertauschen und Verändern der Reihenfolge von musikalischen Elementen wie Tonhöhen, Akkorden, Rhythmen oder Stimmen – und oft dem bewussten Einsatz von Humor oder dem Absurden aus. So wie beim Stück des Komponisten Manos Tsangaris. Dabei spielte Bauerecker am Flügel und Stöber benannte Gegenstände, die er auf dem Tisch vor sich liegen hatte – die er aber mit und mit vertauschte (absichtlich). Das Kölner Klavierduo Bauerecker/Stöber erweitert das Zusammenspiel um innovative Formen, kontrastiert klassische und zeitgenössische virtuose Klaviermusik mit performativen Stücken und schafft dabei spannende Zusammenhänge. Joachim Klein vom Kulturkreis Wiehl kennt Christoph Stöber schon sehr lange – er war mal Musikschulschüler in Wiehl. Bei Jugend Musiziert erlangte Stöber mehrfach erste Preise auf Bundesebene. Mit fünf Jahren begann er Klavier zu spielen und studierte bereits von 2007 bis 2010 als Jungstudent. 2016 begann er in Köln den Masterstudiengang „Interpretation Neue Musik“. Dorrit Bauerecker ist Pianistin und Akkordeonistin. Als „Multitasking-Virtuosin“ nutzt sie außerdem noch weitere Instrumente sowie ihre Stimme und hat sich als Performerin auch Ausdrucksmöglichkeiten jenseits des rein Musikalischen erschlossen. Ausgebildet wurde Dorrit Bauerecker an den Musikhochschulen in Hannover und Köln. Im Zentrum ihrer Duo-Performance steht der Flügel. An den Tasten fungieren Dorrit Bauerecker und Christoph Stöber als Pianisten, aber auch als Performer mit Laptops und Vokaleinsatz. Sie zeigten auf unterhaltsame und ungewohnte Weise das Gelingen und das Scheitern von Verbindungen in ihrer Darbietung im Burghaus Bielstein auf.

Vera Marzinski

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Fotos: Vera Marzinski

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