„Krüger rockt!“ das Burghaus

Rock ’n‘ Roll Party im Bielsteiner Burghaus. Gleich als erstes die Frage von „Krüger rockt!“ ans Publikum: „Are you ready for Rock ’n‘ Roll?“. Ohne die Antwort abzuwarten spielten sie los und da zuckten sofort die Beine der Gäste beim „C’mon Everybody“. Am Donnerstagabend rockte nicht nur die Band auf der Bühne. „Krüger rockt!“ steckte alle an mit ihrem Drive. Sie waren tatsächlich „On Fire“.


Foto: Vera Marzinski

Alle Rock ’n’Roll-Fans kamen auf Ihre Kosten. Denn, wie die vier Musiker selbst von sich sagen, sind sie „die schärfste Rock ‚ n‘ Roll Band seit Einführung der Anschnallpflicht.“ Hörbare Spielfreude boten sie den Gästen und auch ihr Bühnen-Outfit war so perfekt wie die Musik. Nur im Publikum fehlten die Petticoats und Elvis-Haartollen.

Die Musik aus den 50er Jahren ist ansteckend – gute Stimmung wird garantiert! Ob Schnulze, Doo-Wop, Boogie oder Rockabilly. Stücke von Chuck Berry, Little Richard, Bill Haley, Everly Brothers, Jerry Lee Lewis, Elvis oder auch Buddy Holly gehören zum Repertoire von „Krüger rockt!“. Band-Leader Harald Krüger ist ein echter Piano-Rock’n’Roller. Schon im Alter von fünf Jahren begann er mit dem Pianospiel und genoss eine 13-jährige klassische Ausbildung. Zudem kam er recht früh mit der Boogie Woogie und Piano-Bar-Musik in Berührung. Das lebt er immer noch aus und hat sich dazu drei ebenso Rock ’n‘ Roll-infizierte Musiker in seine Band geholt.

Mit Elvis-Stimme singt Gitarrist Joachim Villock auch mal die eher schnulzigen Stücke und mit vollem Körpereinsatz entlockt er seiner Gitarre die grandiosesten Klänge. Akrobatisch wird es bei Kontrabassist Patrick Daniel, der sein Instrument für Spezialeinlagen in jede erdenkliche Position bringt. Und dafür wird er immer wieder mit Beifall belohnt. Zwischenzeitlich steht er bei „Bop A Lena“ als waschechter Punk-Rocker auf der Bielsteiner Bühne. Doch die hochstehenden Haare kämmt er flott wieder zu einer typische 50er-Jahre Frisur zurück. Walt Bender ist nicht nur Schlagzeuger bei „Krüger rockt!“ – mit Harald Krüger ist er auch als Duo unterwegs. Er bearbeitet nicht nur sein Schlagzeug sondern zeigt sich auch mit dem Waschbrett musikalisch sehr kreativ.

Einen Boogie-Woogie könnten sie nicht, verriet Harald Krüger. Aber leider wäre er im Vertrag, den sie beim Kulturkreis unterschrieben hätten, vorgesehen. Von wegen den können sie nicht! Ebenso perfekt, wie sie einen waschechter Rock ’n‘  Roll zelebrieren, klang auch der Boogie-Woogie. Ein bisschen enttäuscht waren die vier Jungs vom Bielsteiner Publikum. „Ist hier ein Stockwerk tiefer die CVJM-Pokerrunde?“ Manche Gäste standen arg unbeweglich rum und so nahm Gitarrist Joachim Villock das mal selbst in die Hand und zu „Fever“ gab es einen Finger-Schnipp-Kurs. Vorher ging Harald Krüber singend mit Mikro durchs Publikum und integrierte zwei Herren mit in sein Stück. Das war dann im wahrsten Sinne des Wortes „Trouble“.

Sollen wir ein bisschen Volksmusik spielen? Sollen wir Schunkelmusik spielen? – lautstark beantworteten die Gäste im Burghaus dies mit „Nein!“ Da musste ja die Frage kommen: „Was wollt ihr dann?“ Nicht nur der nächste Titel hieß „Rock ’n‘ Roll“ – genau das wünschten die Gäste auch. Mit seinem großen roten Bass auf den Schultern rannte Patrick Daniel während dieser fetzigen Nummer quer durch den ausverkauften Saal. Genial Harald Krügers Saxophon-Spiel zu „Shake, Rattle & Roll“ und Drummer Walt Bender glänzte bei „Caravan“ mit seinem Drummer-Solo. Blau-leuchtende Sticks und einem fulminanten Dauer-Wirbel – einfach irre. Natürlich fehlten „Johnny Be Good“ sowie „Great Balls Of Fire“ nicht und mit einem „Que Sera“ verabschiedeten sie die Vollblut-Rock ’n‘ Roller von einem johlenden Publikum. Zuvor noch eine Ansage: „Gehet hin und verkündet was ihr gehört und gesehen habt!“ Das nahmen die Bielsteiner Rock ’n‘ Roll Freunde als Aufforderung noch reichlich runde silberne Scheiben mitzunehmen.

Vera Marzinski

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HBW Haus für Menschen mit Behinderung Wiehl GmbH verabschiedet Geschäftsführer Jürgen Grafflage in den Ruhestand

Der langjährige Geschäftsführer der HBW Haus für Menschen mit Behinderung Jürgen Grafflage wurde in einem festlichen Rahmen in seinen Ruhestand verabschiedet. Jürgen Grafflage leitete über 26 Jahre die Geschicke der HBW GmbH.


Von links: Dietmar Groß, Klaus Pütz, Jürgen Grafflage

Angefangen hat seine Arbeit mit einem Wohnhaus mit 36 Wohnplätzen für Menschen mit geistigen und schwerst mehrfachen Behinderungen. Mittlerweile betreut die HBW GmbH in 7 Wohnhäusern im Oberbergischen Kreis, 120 Menschen. Hinzu kommt der Bereich des ambulant Betreuten Wohnens mit über 50 Klienten, die in eigenen angemieteten Wohnungen leben und vom HBW betreut werden.

Mitgeschäftsführer Dietmar Groß und Klaus Pütz vom Verein zur Förderung und Betreuung behinderter Kinder e.V. bedankten sich bei Jürgen Grafflage für seine großen Verdienste in der Arbeit mit den Menschen mit Behinderungen. Über 160 Mitarbeiter sind z.Zt. beim größten Wohnanbieter im Oberbergischen Kreis beschäftigt. Das Haupthaus „Am Konradsberg“ in Wiehl-Oberbantenberg wurde pünktlich zur Verabschiedung nach einjähriger Um- und Anbauphase fertiggestellt. In dieser Baumaßnahme wurden die letzten Doppelzimmer der HBW GmbH abgebaut.


Von links: Jens Kämper, Dietmar Groß

Jürgen Grafflage beschenkte zum Abschied die Einrichtung mit einem Baum, den er in den neu gestalteten Außenbereich pflanzen lies. Die Nachfolge von Jürgen Grafflage in der Geschäftsführung hat Jens Kämper übernommen, er arbeitet bereits seit über 11 Jahren als Haus- und Bereichsleiter im HBW.

Die Veranstaltung wurde musikalisch sehr stimmungsvoll von der A Cappella Gruppe „Wanderer“ begleitet. Nach der offiziellen Verabschiedung wurde, zur Überraschung von Jürgen Grafflage, am Nachmittag mit allen Bewohnern und Mitarbeitern des HBW ein zünftiges Oktoberfest gefeiert.

Dorfgemeinschaft Linden wählt neuen Vorstand

Am 29. September 2012 haben die Mitglieder der Dorfgemeinschaft Linden e.V. ihre Mitgliederversammlung abgehalten, um einen neuen Vorstand zu wählen. Die bisherigen Vorstandsmitglieder Dieter Jung, Holger Bohle und die Kassenwartin Natalie Kirches, sowie die Beisitzer Dietmar Rekowski und Rainer Becker haben ihre Arbeit im Vorstand beendet, um sich mehr ihren Familien oder anderen Aufgaben widmen zu können.

Ihre bisherige Arbeit wurde während der Versammlung von allen Anwesenden besonders gelobt. Trotz der geringen Beteiligung der Mitglieder ist es gelungen, einen neuen Vorstand zu wählen.

Mit Walter Kobus als 1. Vorsitzenden und Claude Reiss als seinen Stellvertreter wurde ein neues Team gewählt. Mark Wiesmann wurde als neuer Kassenwart bestimmt. Walter Kobus ist in Bezug der Vereinsarbeit ein alter Hase, da er das Amt des Vorsitzenden bereits vor einigen Jahren inne hatte. Er ist im Ort bekannt wie der berühmte „Bunte Hund“ da er seit seiner Geburt im Ort lebt. Der Neubürger Claude Reiss wechselt vom Beisitzer in seine neue Position. Als Schriftführerin wurde Martina Hoffman bestimmt, die bereits Aufgaben im alten Vorstand übernommen hatte. Als Beisitzerin wurde Rosi Nötzel wieder gewählt. Neu als Beisitzer wurden Sigrid Althöfer, Frauke Pawils und Birgit Reiss-Kroh gewählt.

Mit dieser Wahl ist es gelungen eine gute Mischung aus „Alt-Eingesessenen“ wie auch „Neubürgern“ für den Verein zu finden. Dies wie die Altersstruktur des Vorstandes wird es ermöglichen, Jung und Alt, Ureinwohner und Neubürger unter den Mitgliedern erreichen zu können. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es immer schwieriger wird, Menschen für die Belange ihres Ortes zu begeistern. Mit der neuen Mannschaft wird es hoffentlich leichter die Lindener noch mehr für „ihr Dorf“ zu begeistern. Die Vereinsarbeit in Linden blickt auf eine lange und erfolgreiche Tradition zurück. Diese gilt es fortzuführen.

Musikalische Bildermaler: Gruber & Gruber

Die Brüder Thomas und Rainer Gruber entführten am Samstagabend im Burghaus Bielstein mit ihrer Musik auf eine Reise von Bayern nach Andalusien, über Paris, die Aggertalsperre und wieder zurück. Die Gewinner des bayerischen Kulturpreises 2010 servierten eine Melange von Klassik bis bayerischem Flamenco als ein Menü für Genießer. Auf Akkordeon, Gitarre und Hackbrett zauberten die Beiden musikalische Geschichten und Märchen aus Gegenwart und Vergangenheit rund um den Globus.


Fotos: Christian Melzer

Zwischenzeitlich nutzen sie während des Konzertes Hackbrett und Akkordeon auch als Percussion-Instrumente. Das Duo ist sehr vielseitig und Thomas Gruber zudem noch viel-saitig. Er spielt das Hackbrett, das mit Saiten bespannt ist. Im Prinzip funktioniert das Hackbrett eigentlich wie ein Klavier. Auf die gespannten Saiten schlagen beim Klavier festinstallierte mechanische Hämmerchen – beim Hackbrett ist der Musiker selber die Tastatur. Das Hackbrett wird in Volksmusikgruppen meistens mit der Zither, der Volksharfe und der Gitarre gespielt. Aber das, was „Gruber & Gruber“ musikalisch darbieten, kann nicht als Volksmusik bezeichnet werden. Auch wenn da mal ein bayerischer Zwiefacher – ein Volkstanz mit Taktwechsel – mit spanischen Klängen vermischt wird. Und das was die beiden Musiker daraus machen wird dann ein „Bayerischer Flamenco“.

Das Hackbrett ist ein Instrument mit einer einzigartigen Klangfarbe und gibt den Stücken eine besondere Note. Auch der warme Klang der diatonischen Knopfharmonika ist andersartig und kam besonders bei einigen Kompositionen heraus, die sie nicht auf der Bühne sondern im Seitengang präsentierten. Thomas Gruber spielte dieses Instrument mit ebenso viel Leidenschaft wie das Hackbrett. Man meint, die beiden Musiker entführen sich selbst immer wieder in die kammermusikalischen Bilder, die sie malen. Fast alle Stücke stammen aus der Feder der beiden Grubers. Rainer Gruber schrieb auch das Auftaktstück „Gruß an James Brown“. Charakteristisch für seinen ganz eigenen, unverwechselbaren Stil ist die Verbindung der europäischen Klangmöglichkeiten des Akkordeons mit Elementen aus der Klassik: Und nicht nur das Akkordeon beherrscht er virtuos und nuancenreich – auch sein Spiel auf der Gitarre ist brillant.

Sie erzählen vom alten Maultier des Ritters Don Quichotte oder nehmen mit in einen Regenschauer, der in einen strahlenden Sonnenschein übergeht – und wer genau zuhört kann den kleinen Schmetterling flattern hören, der sich durch die gereinigte Luft hochschwingt. Ob es daran liegt, dass die beiden so authentisch sind? Sie entführen nach Afrika oder mit dem „Italienischen Walzer“ ans Mittelmeer ebenso wie auf hohe Gipfel oder nach Paris. Für den „Sonnenuntergang“ benötigten sie vom Publikum die Assoziation eines Badesees. Vorgeschlagen wurde die Aggertalsperre.

< Sie deuten abwechselnd vor den Stücken an, wohin die Reise geht und schon sieht man sich am Wasser der Aggertalsperre, in dem sich die Sonne spiegelt oder auf einem kleinen Ausflug am warmen Herbsttag, der auf den Watzmann führt. Der steile Anstieg und dann das Gefühl, wie der Wanderer sich bei dem Anblick "herobn" fühlt - das alles geht bei dieser musikalischen Reise. "Mir wolln das auch spuiln", kommentiert Thomas Gruber das "Manha de Carneval" von Luiz Bonta, das eigentlich für ein Orchester vorgesehen ist - aber natürlich funktioniert das auch hervorragend bei solch einem Duo. Und weil die Jahreszeit "nimmer so schee" ist, geht es mit "Reisefieber" dann noch mal musikalisch auf einen Ausflug in Gefilde, wo es schön und warm ist. Es klingt bei ihnen nach Klassik, Jazz, Folklore, höfische Musik oder mal nach einem argentinischen Tango. Die zwei sympathischen, musikalischen Grenzgänger aus Bayern nahmen das Publikum an diesem Abend mit zu einer grenzenlosen, beeindruckenden Musik-Reise durch ihr kammermusikalisches Miteinander. Vera Marzinski

Spannende Journalistenbiographie der Wibke Bruhns

Diesmal kein Krimi im Burghaus Bielstein bei der Literaturveranstaltung. Die Buchhandlung Hansen & Kröger hatte damit ein Jubiläum: bereits 50 Mal kamen Autoren zur Lesung. Diesmal Wibke Bruhns – die politische Journalistin aus Leidenschaft ist eine engagierte Chronistin der deutschen Nachkriegsgeschichte. In Wiehl las Wibke Bruhns aus ihrem Buch „Nachrichtenzeit – meine unfertigen Erinnerungen“.


Wibke Bruhns – Foto: Vera Marzinski

Vor acht Jahren war sie bereits in Wiehl und stellte ihr erstes Buch „Meines Vaters Land“ vor. In diesem Bestseller beschrieb sie die Geschichte ihrer Familie und das Leben ihres Vaters, der 1944 infolge des Attentats auf Hitler hingerichtet wurde. Wibke Bruhns wurde als eines von fünf Kindern des Kaufmanns und Abwehr-Offiziers Hans Georg Klamroth und seiner Frau Else geboren. Die Mutter trat 1949 in den diplomatischen Dienst der Bundesrepublik Deutschland ein, so dass die Tochter in Stockholm, Berlin und London aufwuchs.

1962, mit 24 Jahren, fing sie beim ZDF an und machte schon früh Karriere beim Fernsehen. 1971 dann das Experiment: Nachrichtenfrau. Die erste Zeit als Nachrichtensprecherin brachte ihr sehr interessante Zuschauer-Rückmeldungen. Daran ließ sie auch das Wiehler Publikum teilhaben. Sehr humorvoll las sie vor und erzählte von den Zeiten als die neusten Meldungen aus aller Welt noch ohne Teleprompter über den Bildschirm mitgeteilt wurden. Wegen ihres „roten Engagements“ forderte man schnell, dass sie den Nachrichtenstuhl verlassen müsste.

Aber sie war schon damals sehr souverän und kommentierte dies mit „Den Job zu verlieren und dafür mittendrin zu sein war sowieso keine schwierige Entscheidung“. Sie schilderte die Wahlveranstaltungen 1972 – ein Jahr, in dem es auch sonst turbulent zuging. Politverdrossenheit war ein Fremdwort und die Wahlbeteiligung grandios. „Politik hat damals richtig Spaß gemacht“, sagt sie mit leuchtenden Augen.

„Der Bundeskanzler isst keine Kartoffeln“ – das fand eine der Bruhns Töchter über Willy Brandt heraus und belehrte die Mutter darüber. Die war mit einem Porträt über ihn beschäftigt und musste feststellen: „Man kam an die Person nicht ran. Nicht nur ich – niemand.“ Es sei auch nicht wirklich festzustellen gewesen, woran er wirklich interessiert war -„außer dem Zustand der Welt und wie der zu verbessern sei, war nicht zu erfahren.“

Von der hochbrisanten politischen Zeit machte Wibke Bruhns in der Lesung einen Sprung zurück in die 50er Jahre und sagte schmunzelnd zum Publikum: „Das sind Sachen, an die sie sich auch erinnern“. Sie selbst hätte damals nie gedacht, dass es ihr gelingen würde Journalistin zu werden und dadurch viel von der Welt sehen zu können. Als „Stern“-Korrespondentin ging sie nach Israel und in die USA. Ostern in Jerusalem – ein besonderes Erlebnis, an dem sie die Burghaus-Gäste teilhaben ließ. Auch ohne Krimi kann es spannend werden in Bielstein.

Vera Marzinski

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